Dezember 20th, 2010 von Sabine

Es dürfte sich herum gesprochen haben, dass Mexiko nicht unbedingt als sicheres Reiseland gilt. Drogen, damit einhergehende Bandenkämpfe, Raub und Taschendiebstahl sind keine Seltenheit. Auch Kidnappings kommen vor. Wir wären an einer nächtlichen Straßensperre beinahe erschossen worden.

Anfang diesen Jahres stand eine kurzfristig geplante Mexiko-Reise an. Direkt am Flughafen von Mexiko-Stadt hatten wir ein Auto gemietet und planten, damit das Land auf eigene Faust zu erkunden. Dem Moloch selbst widmeten wir keine Zeit, sondern begaben uns auf schnellsten Wege nach Osten, Richtung Yucatan. Laut Karte waren das knapp 1700 Kilometer (mit Abstechern noch ein bisschen mehr). Die Fahrt dorthin sollte also mehrere Tage dauern, und da wir nicht vorhatten, die gesamte Zeit nur im Auto zu sitzen, schlugen wir die einschlägigen Warnungen, nicht Nachts zu fahren, in den Wind.
Bei Tlaxiako wurden wir dann einer Straßensperre aufgehalten.

Das Auswärtigen Amt und jeder bessere Reiseführer hatten ja vor derartigen nächtlichen Straßensperren gewarnt. Meist sind solche Blockaden zwar legitim, doch oft genug kommt es vor, dass kriminelle Banden dort Autos anhalten und Insassen um ihre Wertsachen erleichtern. Diesmal war alles komisch, ganz anders als an vorher durchfahrenen, legitimen Blockaden: Die teilweise mit Schnellfeuergewehren bewaffneten Männer trugen zwar Uniformen, die waren aber nicht einheitlich. Eine Sperrplanke hing etwas lustlos über die halbe Straßenseite. Daran blinkte eine funzlige Taschenlampe.

Wir hielten zunächst an. Durch das nur einen Finger weit geöffnete Fenster begann einer der Uniformierten auf uns einzureden. Er wollte Papiere sehen. Wir reichten alles, was wir hatten, durch den Spalt, sogar einen Organspenderausweis, damit er Ruhe gibt. Tat er aber nicht. Stattdessen wollte er uns dazu bringe, das Auto zu verlassen. Das wollten wir nun keineswegs. Es gab eine lange, fruchtlose Diskussion und uns war unwohl. Wir nickten kurz einander zu, und dann trat ich aufs Gas. Unser 4WD verschwand in einer Wolke aus Staub in der Nacht, das Licht schalteten wir zunächst aus. Fast hatten wir die erste Kurve erreicht, da wurde tatsächlich eine schnelle Salve auf unseren Wagen abgefeuert. Die verfehlte uns und dann waren wir vollends außer Sicht.
Niemand folgte uns, wir harrten in einem Feldweg eine Weile aus bis sich der Puls beruhigt hatte und fuhren dann nur noch bis zum nächsten Motel.
Von nun an vermieden wir es tatsächlich, nachts zu fahren.

Bitte beherzigt also tatsächlich diesen Tipp und fahrt in Mexiko nicht nachts!

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